Ein viel zu früher Start ins Leben
Muhammed kam bereits in der 24. Schwangerschaftswoche zur Welt – viel früher, als es für ein Kind sicher wäre. Er war schwer krank, vollständig beatmungspflichtig und medizinisch komplex versorgt. Für seine Familie bedeutete das: Dauerpräsenz auf der Intensivstation, Angst vor jeder Verschlechterung und die Ungewissheit, wie es weitergehen würde. In dieser Situation wurde das Haus Atemzeit zu einem entscheidenden Ort für seinen weiteren Lebensweg.
Muhammed war das erste Kind, das im Haus Atemzeit aufgenommen wurde. Er kam vollständig beatmet zu uns. Innerhalb von nur sieben Monaten gelang es, ihn Schritt für Schritt von der Beatmung zu entwöhnen. 2017 lebte er bei uns im Haus Atemzeit; schon damals war das Ziel, ihm ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen – mit so wenig Technik wie nötig und so viel Freiheit wie möglich.
Deria – immer an seiner Seite
Seine Mutter Deria wich ihm im Haus Atemzeit nicht von der Seite. Sie lernte konsequent alles, was notwendig war, um Muhammed sicher zu versorgen und zu fördern: Umgang mit der Trachealkanüle, das Lesen von Körpersignalen, Hygiene, Lagerung, Atemtherapie, Notfallmanagement und technische Handgriffe im Umgang mit Geräten. Aus Unsicherheit und Sorge wurde Kompetenz und echte Sicherheit im Alltag.

Ein Alltag wie bei anderen Kindern
Durch die Kombination aus medizinisch begleiteten Weaningprozessen, strukturierter Schulung und emotionaler Stabilisierung der Familie konnte Muhammed eine beeindruckende Entwicklung nehmen. Was folgte, waren Dinge, die für viele selbstverständlich, für ihn aber ein hart erkämpftes Geschenk sind: Urlaube als Familie, Kindergarten, Schule, Spielplätze, Freunde, Geburtstage und ein Leben mitten in der Gesellschaft statt im Klinikzimmer.
Die Dekanülierung erfolgte schließlich im Oktober 2025 – gewissermaßen „von zu Hause aus“, nach vielen Jahren, in denen Deria und ihre Familie Muhammed sicher begleitet haben. Heute lebt Muhammed ein vollständig integriertes, kerngesundes Leben – mit Freunden, Familie, Schule, Ausflügen und all den Erfahrungen, die Kindheit ausmachen.


